Übersichtsplan

Historischer Spaziergang durch Herxheim

Herxheim liegt auf fruchtbarem Lössboden. Deshalb ist es nicht überraschend, dass zahlreiche Kulturen und Gesellschaften hier siedelten. Bereits die ersten europäischen Bauern rodeten hier in der Jungsteinzeit den Wald und gründeten eine Siedlung. Dieser 7000 Jahre alte Weiler wurde mit einem doppelten Ring langgestreckter Gruben eingefriedet. Archäologische Ausgrabungen förderten hier spektakuläre Funde von Menschenknochen mit Schnittspuren und abgetrennten Schädeldächern zu Tage, die von den jungsteinzeitlichen Bauern der „Bandkeramischen Kultur“ zusammen mit Keramikscherben, Tierknochen usw. in den Grubenanlagen deponiert worden waren. Das Museum Herxheim präsentiert die spannende Geschichte hinter diesen Funden.

Ausgrabungen und weitere Funde belegen auch Siedlungen und Gräber aus der Bronzezeit. In die keltische Eisenzeit werden die Hügelgräber im Klingbachwald datiert. Römische Gräber, Landgüter (die sog. villae rusticae) und eine Töpferei wurden am Westrand Herxheims ausgegraben. Zur Zeit der Völkerwanderung ab 259 n. Chr. besetzten die Alemannen unser Gebiet, die jedoch ab 500 n. Chr. von den von Norden kommenden Franken zurückgedrängt wurden.

Die Franken nannten ihre neue Heimat oft nach ihrem Anführer. Herxheim wird in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 773 als „Harischaim“, in einer anderen Urkunde als „Herigesheim“ bezeichnet. So  dürfte es wohl ein fränkischer Hari oder Heri gewesen sein, der mit seiner Sippe hier siedelte. Mit diesen Urkunden beginnt also im Jahre 773 die geschriebene Geschichte Herxheims.

  • Museum Herxheim
  • Historarium

Nr. 1 – Museum Herxheim

Das Museum befindet sich in der Ortsmitte auf dem Gelände einer ehemaligen fränkischen Hofanlage, gegenüber der Kirche. Rund um den Museumshof stehen Wohnhaus, Stall- und Scheunengebäude und das Historarium.

Das Scheunengebäude präsentiert die Dauerausstellungen zur Kulturgeschichte Herxheims und zur Steinzeit. Die steinzeitlichen Funde stammen von den Ausgrabungen am Westrand Herxheims. Die außergewöhnlichen Funde werden von einem internationalen Forscherteam untersucht und ihre neuen Erkenntnisse in der Ausstellung vermittelt.

Die Kulturgeschichtliche Abteilung zeigt wichtige Facetten der jüngeren Geschichte Herxheims: Tabak, Weben und Baugeschichte. Im ehemaligen Stallgebäude werden regelmäßig Sonderausstellungen zu archäologischen und kulturgeschichtlichen Themen präsentiert.

Die 15 massiven Eichenholzstelen des Historariums zeigen Momentaufnahmen der Geschichte Herxheims. Der zeitliche Bogen spannt sich von den ersten Bauern vor 7000 Jahren über die Pestjahre, das Dorf im 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart. Mit Zeichen, Symbolen und Exponaten weckt das Historarium Entdeckerfreude und bietet einen jederzeit frei zugänglichen schönen Einstieg in die Ortsgeschichte.

Adresse: Untere Hauptstraße 153

Villa Wieser

Nr. 2 – Villa Wieser

Die dem Charakter und Ambiente eines französischen Landschlösschens entsprechende Anlage, eine Villa mit zwei Nebengebäuden, wurde an Stelle dreier bäuerlicher Anwesen 1856/57 von Leonhard Peters in Auftrag gegeben. Der nach Frankreich ausgewanderte ehemalige Herxheimer lebte als wohlhabender Bierbrauer in Paris und hatte die Villa als Sommersitz gebaut. Letzter Besitzer war der Arzt  Dr. Wieser, dessen Erben das Anwesen an die Gemeinde Herxheim verkauften. Seit 1987 wird das Haus in vielfältiger Weise genutzt: Konzerte, Lesungen und Ausstellungen, auch standesamtliche Trauungen finden statt. Im Obergeschoss ist ein Teil der Kunstschule Villa Wieser untergebracht.

Der Park der Villa Wieser präsentiert sich im Sommer als Ort vieler Freiluftveranstaltungen. Im Westen des Parks schließt sich das zur Kunstschule gehörende Bildhauerhaus „Gerhard-Weber-Haus“ mit seinem imposanten Erweiterungsbau an.
Adresse: Obere Hauptstraße 3

Dorfbrunnen bei der Villa Wieser

Nr. 3 – Dorfbrunnen

Dieser Platz mit Brunnen in der  Ortsmitte zwischen Villa Wieser und Rathaus ist ein Ort der Kommunikation und Begegnung. Sprühende Wasserfontänen und die bekletterbaren Bronzeplastiken lassen Lebendigkeit spüren und laden die Besucher zum Verweilen ein.

Der Brunnen wurde von Künstler Prof. Gernot Rumpf, dessen Frau Barbara und Städteplaner Reinhard Bachtler gestaltet und 1989 eingeweiht. Bildhauerisch und in Bronze gegossen, sind charakteristische Merkmale des Ortes dargestellt: blühende Tabakstauden, ein Motorradgespann, ein Rennpferd mit Sulky, ein Einhorn sowie ein Brotkorb und Tabakhasen.

Rathaus

Nr. 4 – Rathaus

"...und Herxheim hat ein großes palastähnliches Gebäude..."
(Zitat des Pfälzer Schriftstellers August Becker, 1858)

Von dem ehemals klassizistischen Bau ist heute nur noch der giebelgekrönte Mittelrisalit mit Balkon über einem viersäuligen Portal geblieben.

Kommunalbauinspektor Samuel Schwarze hatte seinerzeit die Baupläne erstellt. 1824/25 wurde der Bau errichtet und diente über lange Zeit als Schul- und Gemeindehaus mit Bürgermeisteramt, Ratssaal und Lehrerwohnung. Auch die Sparkasse fand darin schon früh ihren Platz.

1976 musste das Gebäude dem heutigen Neubau für Verbandsgemeindeverwaltung und Sparkasse weichen. Der Mittelrisalit wurde originalgetreu in das neue Bauensemble eingefügt.

Adresse: Obere Hauptstraße 2

Altenzentrum St. Josef

Nr. 5 – Altenzentrum St. Josef

Alles begann 1847 mit der Einrichtung einer Suppenküche für die Armen des Ortes im Anwesen einer früheren Adelsfamilie. Bis zu 700 Bedürftige wurden hier tagtäglich von Niederbronner Schwestern und Herxheimer Frauen mit einer warmen Mahlzeit versorgt.

1855 richtete man das Haus als Wohn- und Lebensstätte für Behinderte, Arme und Waisen ein. Neben "Kinderschule" und Handarbeitsschule kamen im Laufe der Jahre eine Säuglings- und Wöchnerinnenstation sowie ein Kindergarten hinzu. Stets war das Haus St. Josef eine Stätte der Wohltätigkeit und Hilfe für die Ärmsten der Gesellschaft.

1973 wurde die Wöchnerinnenstation geschlossen, 1976 das Haus zu einem modernen Altenzentrum ausgebaut. Im Haus integriert findet sich eine dem Heiligen Josef geweihte Kapelle, in der regelmäßig Gottesdienste stattfinden.

Adresse: Richard-Flick-Straße 2


Synagogenstein

Nr. 6 – Synagogenstein

An der Stelle, an der heute nur noch der Synagogenstein zu sehen ist, stand einst die Herxheimer Synagoge, die 1842 nach Plänen des Zivilbauinspektors August Voigt gebaut worden war. Zu dieser Zeit lebten etwa 160 jüdische Bürger im Ort. Zur Oberen Hauptstraße hin waren außerdem in zwei einstöckigen Wohnhäusern ein Unterrichtsraum für jüdische Kinder und die Lehrerwohnung untergebracht.

Am 10. November 1938 fiel auch die Herxheimer Synagoge den Novemberpogromen zum Opfer – sie wurde zerstört und geplündert. Das Abrissmaterial wurde anschließend zur Wegebefestigung in der Gemarkung Herxheim verwendet.

1984 wurde der Ornamentstein, der heute als Synagogenstein zu bewundern ist, in der ehemaligen Lehmgrube sichergestellt und anschließend restauriert.

Adresse: Obere Hauptstraße 16, Nordwand


Hugo-Ball-Plastik

Nr. 7 – Hugo-Ball-Plastik

"... Dann mußt du groß und schweigend mich empfangen
Aus irrer Dunkelheit kam ich gegangen
Besorgt, daß ich dein lichtes Bild versehre...."
(aus: "Noch Eines, Emmy...", 1927)

Der Dadaist Hugo Ball wurde 1886 als Sohn der Herxheimer Bauerntochter  Josefine Arnold und des Schuhreisenden Karl Ball in Pirmasens geboren.

In die Schweiz emigriert, war er 1916/17 Akteur im Cabaret Voltaire und Mitbegründer des Dadaismus. Als überzeugter Pazifist steht er noch heute für Protest – mit Lauten, Satzbrocken ohne erkennbaren Sinn, für Lärmmusik gegen die Welt, gegen die aus den Fugen geratene Welt des Ersten Weltkrieges und gegen die überspannte Zivilisation. Mittels Sprache demonstrierte er gegen den Missbrauch der Sprache.

Ball arbeitete als Journalist, Schriftsteller, Dramaturg und Klavierspieler. 1927 starb er in tiefer religiöser Frömmigkeit und zählt heute zu den berühmtesten Pfälzern. Mit der Aufstellung der Bronzeplastik des Künstlers Manfred Weihe aus Speyer wurde er 1995 in der Heimatgemeinde seiner Mutter geehrt.

Adresse: Innenhof Obere Hauptstraße 16-18



Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt

Nr. 8 – Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt

Erstmals erwähnt wurde ein Kirchenbau in Herxheim im Jahre 1213. Der spätgotische Chor von 1507 ist in seinem Mauerwerk vollständig erhalten geblieben. Das Langhaus der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt wurde 1776/77 auf fast die doppelte Länge vergrößert. Im Jahre 1585 erhielt der Turm eine achteckige Glockenstube, die 1833 um einige Meter angehoben werden musste, um die Glocken im immer größer werdenden Dorf zu hören. Mit dem steilen Turmhelm aus dem Jahre 1967 erreicht der Turm nun eine Höhe von 57 Metern.
In der Kirche sind als besondere Schmuckstücke der Flügelaltar von 1950, ein fast neun Meter hohes spätgotisches Sakramentshäuschen und die imposante Kanzel des Spätrokoko an der Südseite des Langhauses hervorzuheben.

Die Kriegergedächtniskapelle wird unter Punkt 1 im Kapellenrundwanderweg beschrieben.

St. Paulus Stift

Nr. 9 – St. Paulus Stift

„Unser Haus soll gesehen werden."
(Zitat Jakob Friedrich Bussereau)


Die noch heute bestehende Einrichtung wurde 1896 vom damaligen Priester und späteren Prälat Jakob Friedrich Bussereau (1863-1919) als Katholische Wohltätigkeitsanstalt gegründet. Hier ermöglichte man die Pflege von Kranken, Behinderte fanden eine Heimat, Ausbildung und Förderung sowie Beschäftigung waren weitere Standbeine der Einrichtung.

1985/86 erfolgten der Umbau und die Erweiterung zu einer Pflege- und Wohnstätte für behinderte Mädchen und Frauen.

Besonderer Schmuck der angegliederten neugotischen Klosterkapelle sind die farbigen Glasfenster, die 2012 restauriert wurden: Das zentrale Rundfenster von 1898 stammt aus der Werkstatt des Speyerer Glasmalkunstwerkers Joseph Weißenrieder und die spitzbogigen Farbfenster sind von Hans Bockhorni gestaltet.

Adresse: Bussereaustraße 16-18 



Nr. 10 – Geburtshaus der Brüder Finck

1998 enthüllte der damalige Bundskanzler Helmut Kohl in der Habertsgasse folgende Gedenktafel:

Geburtshaus von Dekan Johannes Finck (1888-1953), Pfarrer und Journalist, Abgeordneter des Bayrischen Landtages  (1928-1933), und Dr. Albert Finck (1895-1956), Redakteur, Mitglied des Parlamentarischen Rates, des Gremiums, das am  8. Mai 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland beschlossen hat, Kulturminister von Rheinland-Pfalz (1951-1956).

Die Brüder Finck waren entschiedene Gegner des Nationalsozialismus und nach 1945 Mitbegründer der CDU Pfalz. 

Adresse: Habertsgasse 13

Pestsäule

Nr. 11 – Pestsäule

Die aus rotem Sandstein gefertigte bildstockartige Säule, die heute als Pestsäule bekannt ist, ist in die hofseitige Mauer integriert und trägt die Jahreszahl 1757.

In den Jahren 1666/67 wütete, wie in vielen Orten, auch in Herxheim die Pest, an der Hunderte Menschen starben. 1755 forderte eine weitere Pestwelle 23 Opfer. Die Schrecken der früheren Pest vor Augen, errichtete man – wohl aus Dankbarkeit über den recht glimpflichen Ausgang des erneuten – diese Säule.

Adresse: Untere Hauptstraße 134

Waschplatz

Nr. 12 – Waschplatz

Bis zum Bau der Wasserleitung 1928/29 wurde die Wäsche am Klingbach oder in Brunnen gewaschen und geschwenkt. In den Jahren bis zur Eröffnung der ersten Wäscherei wusch man die Wäsche zu Hause, brachte sie mit dem Handwagen zum Klingbach, wo sie am Waschplatz kräftig geschwenkt und anschließend auf den umliegenden Wiesen zum Trocknen ausgelegt wurde.

1997 wurde der Platz originalgetreu wieder hergerichtet. Im Oktober 2005 wurden dann die Skulpturen des Künstlerpaares  Barbara und Prof. Gernot Rumpf eingeweiht: Bronzene Waschutensilien wie Waschkorb, Wäscheleine und Waschbrett erinnern heute an die damalige Funktion des Platzes.

Adresse: An der Klingbachbrücke in der Speiertsgasse