Villa Wieser

Die Villa Wieser
Die Villa Wieser mit dem Dorfbrunnen in der Ortsmitte

Kontakt

Kulturreferat
Christa Müller
Obere Hauptstraße 2
76863 Herxheim
Telefon: 07276 / 501-139

Villa Peters – Villa Schmitt – Villa Wieser

Zeichnung des Schlösschens, wie es 1855 geplant worden war.
Die Familie Conrad Peters kam Ende des 18. Jahrhunderts nach Herxheim. Die Söhne Leonhard, Adrian und Conrad heirateten in Herxheimer Familien ein und errichtete ihre Geschäfte im Ort. Adrian, Bierbrauer, verstarb schon sehr früh, woraufhin sein Neffe Leonhard, Sohn seines Bruders Leonhard, im Alter von nur zwanzig Jahren die Brauerei übernehmen sollte. Der junge Mann jedoch, als „Nichtsnutz“ verschmäht von der Tochter des „Ochsenwirtes“, die er sich als Braut auserkoren hatte, ging nach Frankreich, um dort sein Glück zu suchen. Er heiratete eine Pariser Brauereitochter und erarbeitete sich in Saint-Germain-des-Prés ein beträchtliches Vermögen.

In seine Heimatgemeinde kehrte er als gemachter Mann zurück und zeigte sich äußerst großzügig und spendabel: Dem neu errichteten Armenhaus, in dem sich heute das Altenzentrum St. Josef befindet, spendete er 5000 Francs, wodurch er „der hießigen Gemeinde für deren ganze Zukunft eine unvergessliche Wohltat erwiesen, die nur Gott vergelten kann“ (zit. in Schmalenberger). Weitere Spenden folgten, woraufhin Herxheim den einstmals verlorenen Sohn sogar zum Ehrenbürger ernannte.

Ab 1855 baute Leonhard Peters gegenüber dem Schulhaus, also dem heutigen Rathaus, die „Villa Peters", in der er in den folgenden Jahren zusammen mit seiner Gattin die Sommermonate verbrachte.

1887 verstarb Peters kinderlos und liegt heute nicht in Herxheim, sondern zusammen mit seiner Frau in seiner Wahlheimat Saint-Germain-des-Prés begraben.

Die Eheleute Schmitt
Dr. med. Eduard Schmitt sen. aus Germersheim war seit 1860 Arzt in Herxheim und eröffnete am 1. Januar 1861 seine Praxis in der ehemaligen Peters-Villa. Schmitt galt als „Muster eines noblen Landarztes“ (zit. in Ehmer) und heiratete 1863 die Herxheimerin Maria Schultz – Enkelin des Ochsenwirtes und Tochter der Frau, die Leonhard Peters ehemals als „Lottel“ verschmäht hatte.


Gegen 10.000 Gulden wurde der Arzt 1876 Eigentümer des Anwesens Peters, das er dann in „Villa Schmitt“ umbenannte. Die Postkarte um das Jahr 1905 (links) zeigt die Kutschergebäude an der Hauptstraße, in denen heute ein Eiscafé untergebracht ist. Nicht zu sehen ist auf dem Foto der Anbau der Villa, der noch unter Schmitt sen. errichtet worden war.

Dr. Schmitt jun. mit der Münchnerin Emma Hurt, die er im Juni 1899 heiratete.
Dr. med. Eduard Schmitt jun. war das sechste Kind der Ehe Schmitt und das einzige, das den Beruf des Vaters fortführte.

Zunächst als Arzt in Herxheim tätig, praktizierte er in späteren Jahren in Edesheim und Edenkoben und stieg im Verwaltungsdienst der Stadt Landau in den höheren Beamtendienst auf.

Dr. med. Otto Wieser aus Freudenberg bei Siegen kam am 27. Juli 1903 nach Herxheim und übernahm die in Herxheim vakante Arztstelle. Seine Ehe mit Maria Jospha Heyler schloss er an seinem neuen Heimatort und erwarb kurz zuvor die Villa Schmitt für 30 000 Mark. Der junge evangelische Arzt fand bei den Herxheimern schnell Anerkennung und ermöglichte es den wenigen Protestanten der überwiegend katholischen Gemeinde, in seinem Haus Gottesdienste abzuhalten.

Nach dem Tod des beliebten Arztes im Jahre 1947 übernahm für kurze Zeit Dr. Martin Oskar Lutz aus Landau die Praxis. Das Hauptgebäude der Villa bewohnte nach wie vor Tochter Getrud Wieser, die das Dachgeschoss jedoch vermietete. Als Gertrud schließlich in das Altenzentrum St. Josef zog, stand die Villa längere Zeit leer, wurde zeitweise von Nichtsesshaften als Nachtlager aufgesucht und drohte gar zu verfallen.

In längeren Verhandlungen mit Gertrud Wieser gelang es der Ortsgemeinde Herxheim im Dezember 1980 schließlich, deren Erbteil von rund einem Viertel des Gesamtwertes zu erwerben. Schließlich gelang es Bürgermeister Elmar Weiller am 24. August 1981, das Anwesen zum Restkaufpreis von der Erbengemeinschaft Ernst Wieser zu erwerben und in mehreren Schritten zu einem Kulturzentrum umzufunktionieren.

Quellen:
Ehmer, Egon, u. Theo Gleich. „Villa Peters, Villa Schmitt, Villa Wieser.“ Amtsblatt der Verbandsgemeinde Herxheim 51 (2012): 34-5. Print.
Schmalenberg, Brigitte. „Das Kleinod.“ Die Rheinpfalz 17.11.2012, Kreis Südliche Weinstraße: n. pag. Print.