Dorfbrunnen

Dorfplatz mit Dorfbrunnen – Gedanken des Künstlers Prof. Gernot Rumpf

zur architektonischen und künstlerischen Konzeption

Der Dorfbrunnen Herxheim fügt sich in eine im Zuge der Entwicklung des Ortskerns entstandene Gesamtkonzeption ein und setzt einen wesentlichen Akzent in der Raumstruktur Herxheims. Der Brunnen, zwischen Rathaus und Kulturzentrum Villa Wieser direkt an der Hauptstraße gelegen, hat als erlebbarer Mittelpunkt der Ortstruktur einen bedeutenden Standort.

Die unmittelbare räumliche Situation ist geprägt durch die architektonische Gestalt des Vorplatzes der Villa Wieser, wobei Rathaus und Villa Wieser sich achsial gegenüber stehen und der Brunnen die Mitte dieser Achse bildet. Die Achsialität wird durch die symmetrische Anlage der beiden Nebengebäude der Villa Wieser – Kutscherhäuschen und Remise – sowie der beiden dominanten Kastanienbäume unterstrichen. Die klassizistische Architektur des Rathauses sowie die an den Stil des französischen Landschlösschens angelehnte Gestaltung der Villa Wieser prägt den Charakter des Bereiches ebenso wie die ausladenden Bäume und die Grünflächen.

Unter Berücksichtigung der Bedeutung des Platzes – in Bezug auf Funktion der Ortstruktur sowie die architektonische Gestalt der direkt zugeordneten Gebäude und Platzflächen – entstand die Konzeption des Brunnens als zentraler Figur mit deutlich ablesbarem Mittelpunkt und zentraler Wasserfläche.

Ausgehend von diesem Mittelpunkt entwickeln sich rechtwinklig zueinander stehend Haupt- und Nebenachse, die den Brunnen in die örtliche Situation einspannt und direkte Beziehungen zu den umliegenden Gebäuden herstellt. Durch Absenken des zentralen Bereiches, der wenige Stufen tiefer liegt als die Platzfläche, entsteht ein ruhiger und klar definierter Raum, der zum Verweilen, Betrachten und Erholen einlädt.

Durch die Wahl des Standortes der einzelnen Bronzeplastiken wird die zentrale, achsiale Komposition zusätzlich unterstrichen. Bei der Auswahl der Themen spielten nicht nur die einzelnen Elemente – die die Geschichte oder die Gegenwart der Gemeinde hervorragend widerspiegeln – eine entscheidende Rolle, sondern auch deren Umsetzbarkeit als Bronzeplastiken und ihre Eignung, das architektonische Gesamtkonzept zu unterschreichen.

So sind beispielsweise die Tabakstauden nicht ins Zentrum des Brunnens gestellt, weil Tabak das zentrale oder wichtigste Element der Gemeinde ist, sondern weil eine Tabakstaude als Punktplastik verwendet werden kann, die nach allen Richtungen die gleiche gestalterische Wirkung hat. Einhorn und Pferd dagegen haben naturgemäß ein Vorne und Hinten, geben also eine Richtung vor und stehen somit auf Achse zueinander. Dasselbe gilt für das Motorrad, das den Anfang der Hauptachse bildet. Der Brotkorb als Endpunkt der Hauptachse ist zwar ähnlich wie die Tabakpflanze ein in sich ruhendes Element, ist jedoch durch einen Wasserlauf mit dem Zentrum direkt verbunden, wodurch das achsiale Prinzip wiederum unterstrichen wird.

Die Tabakhasen ergänzen die Komposition und sind bewusst gegen das Achsen- und Zentralprinzip angeordnet, um die statische Ruhe der Anlage zu brechen und um als lebendige, liebenswerte, "Unordnung stiftende" Elemente Akzente zu setzen. Dabei sind die Bronzeplastiken nicht nur zum Betrachten geschaffen, sondern können ihrer Eigenart gemäß "benutzt" werden – Einhorn und Pferd können geritten, der Sulky des Pferdes und das Motorrad bestiegen werden – und bieten sich somit zur Beschäftigung und zum Spielen an.

Durch das Wasser, das in unterschiedlicher Weise aus den Plastiken hervorquillt, -sprudelt oder -spritzt, in Rinnen läuft oder in Becken ruht, wird die Anlage erst richtig zum Leben erweckt. Es entsteht hierbei ein Wechselspiel zwischen Architektur, Plastik und Wasser, in welches der Mensch sich je nach Belieben einfügen kann: als Betrachter oder Teilnehmer.